Ein weiterer Schreibtipp von mir oder die 15 Punkte Struktur von Campbell

In unseren Schreiberling-Sphären gibt es ja verschiedene Strukturen, um eine Geschichte zu schreiben. 3-Akt-Struktur, 5-Akt-Struktur, 7-Akt-Struktur. Doch für mich war es bisher immer schwer in einer dieser Strukturen zu schreiben. Für eine Outline waren sie mir zu grob und gingen mir zu sehr ins Detail für eine grobe Übersicht. Ich bin einfach nicht damit klargekommen.

Neulich stieß ich dann auf die 15 Punkte Struktur. Diese Sache scheint wie für mich gemacht zu sein.

Da ich irgendwas zwischen Architekt und Gärtner bin, also zwar planen muss, aber auch einfach drauflos schreibe, fiel mir eine Struktur immer schwer. Entweder es war zu einengend geplant, so dass ich meinem Gärtner nicht mehr gerecht werden konnte. Oder es war zu locker geplant, so dass mein Architekten beleidigt war und ich nicht vorangekommen bin.

Doch mit dieser Struktur fühle ich mich unglaublich wohl. Sie ist genau ein Mittelding zwischen diesen beiden Sachen. Sie lässt viel Freiraum und doch ist alles Wichtige geplant, so dass man weiß wo die Reise hingeht. Außerdem lässt sie sich hinbiegen, wie man sie für die Art seiner Geschichte braucht.

Leider habe ich sie bisher nur in Englisch gefunden. Deswegen habe ich sie für euch übersetzt. Wer bisher genau wie ich Probleme beim plotten hatte, dem hilft sie vielleicht genauso wie mir.

1 Eröffnungsbild Ein kleiner Einblick in die Welt, bevor die eigentliche Geschichte beginnt. Dieser kann extrem von dem Ende abweichen
2 Thema wird festgesetzt Jemand sagt etwas sehr unerwartetes zu dem Helden. Und es wird zu einem der größten Themen in der Geschichte.
3 Das Set-Up Lerne über die sozialen Strukturen und das Setting der Geschichte
4 Katalysator In vielen Fällen = Tod Hier passiert etwas, dass den Held innehalten lässt. Und er wird sich bewusst, dass er sich momentan zu wohl in seiner derzeitigen Situation fühlt.

Campbell bezeichnete es als „Ruf des Abenteuers“

5 Debatte Der Held ist sich unsicher. Sollte er den Ruf des Abenteuers annehmen.
6 Durchbruch in den zweiten Akt Der Held entscheidet sich die Geschichte aktiv in die Hand zu nehmen. Akt 2 ist eine auf den Kopf gestellte Version, der bisherigen Welt. Z.B. Dorothy in dem Zauberer von Oz entscheidet sich aktiv dafür den Zauberer zu suchen anstatt in der Stadt der Munshkins zu bleiben.
7 B Geschichte „Die Geschichte des Helfers“ Das ist ein Subplot der dem Helden hilft die Lektion zu lernen die er braucht um sich zu ändern.
8 Entspannung Das Versprechen eines guten Endes. Eine Szene, die Spaß macht und einen Ausblick auf ein gutes Ende gibt.
9 Mittelpunkt Ab hier sollte die Geschichte an Fahrt aufnehmen. Sie sollte schneller werden. Hier gibt es entweder einen falschen Sieg oder eine falsch Niederlage.
10 Der Bösewicht Der Druck auf den Helden steigt. Extern und intern wird er immer weiter unter Stress gesetzt.
11 Alles ist verloren Der dunkelste Moment in der Geschichte. Der Punkt an dem der Held an den Punkt ohne Rückkehr kommt. Der Tod, der alten Lebensweise des Helden und der Art seines Denkens. An diesem Punkt ist der Held schlimmer dran als am Anfang. Das ist der Moment an dem alle Mentoren sterben oder anders verschwinden. Ab hier muss der Held es alleine schaffen.
12 Die dunkle Nacht der Seele Der Held ist metaphorisch gesehen tot. Er muss erst einen Weg finden, weiterzumachen.
13 Durchbruch in Akt 3 Der Held lernt nun eine Lektion aus dem Subplot die ihm hilft, sich zu transformieren.
14 Finale Die Person, die der Held vor der Reise war und der Mensch, der er während der Reise war verbinden sich um etwas anderes zu werden. Er entscheidet sich für einen anderen Weg. Er hat einen Moment der Klarheit in dem er merkt, dass er transformiert wurde. Alle losen Enden werden verbunden.
15 Finales Bild Die Welt nach der Reise. Außer dem Bösewicht haben sich nun alle geändert.

 

die-15-punkte-struktur

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8 Kommentare zu „Ein weiterer Schreibtipp von mir oder die 15 Punkte Struktur von Campbell

  1. Interessant, aber auch enorm stringent. Ich habe mich persönlich noch nie mit solchen Strukturen beschäftigt – entstehen die nicht irgendwie vom selbst, aus dem Gefühl für die Geschichte heraus?
    Sicherlich sollten (mehr oder weniger) alle angesprochen Elemente unterkommen, aber ist ein solch festgelegtes Muster notwendig – vielleicht nicht eher sehr vorhersehbar?

    Gefällt 1 Person

    1. Das ist eine Sache die kommt sehr darauf an, was für eine Art Autor du bist. Manche haben von Natur aus ein sehr gutes Gespür für Struktur. Andere müssen vorher mithilfe von Strukturen plotten, damit es nicht verwirrend wird oder noch schlimmer: Man sich nicht in eine Ecke schreibt aus der man nicht wieder hinauskommt. Letzteres kann man so vollkommen vermeiden, da der Plot schon komplett steht.
      Generell kann man sagen ist die Struktur einer Geschichte wie ein Skelett. Sie unterstützt die Abläufe. Gibt dem Leser etwas Vertrautes, damit man sich besser in der Welt einer neuen Geschichte zurechtfindet. Eine gute Struktur kann dafür sorgen, dass der Leser sich besser in der Geschichte zurechtfindet.
      Allerdings sollte man die Struktur dabei nicht überbewerten. Denn auch sie ist nur eine Schicht der Zwiebel „Buch“.
      Letztendlich ist so eine Struktur eine Planungshilfe. Wie, in welcher Reihenfolge und ob man diese Punkte in seiner Geschichte löst ist einem vollkommen selbst überlassen.
      Ich denke nicht, dass es vorhersehbar wird. Das kommt sicher darauf an mit was man das Skelett letztendlich bepackt.
      Ich für meinen Teil kann sagen, dass mir jede Stunde, die ich vorher in Struktur und andere Planungselemente stecke, 10 Stunden während des Schreibens und Überarbeitens erspart.
      Aber das Ganze ist eine Sache des Ausprobierens, ob es etwas für einen ist oder man das Ganze nicht braucht.
      Ich hoffe ich konnte deine Fragen beantworten. 🙂
      Liebe Grüße

      Gefällt 2 Personen

      1. Danke für deinen ausführlichen Kommentar!
        „Das kommt sicher darauf an mit was man das Skelett letztendlich bepackt.“ Ja, da gebe ich dir absolut recht, das ist wohl das entscheidendste. Auf mich wirkte die Tabelle nur so, als müsse man sich stringent daran halten, um ein gutes Buch zu schreiben. Das habe ich wohl etwas eng gesehen 😉
        Ich bin übrigens auch jemand, der vorher sehr engmaschig plotten muss – sonst verstricke ich mich in meiner eigenen Geschichte 😛

        Gefällt 1 Person

      2. Sehr gerne.
        Ich bin der Meinung um ein gutes Buch zu schreiben muss man nur eine Sache tun. Und zwar schreiben. Alles andere sind nur Hilfestellungen. 🙂
        Das Gefühl kenne ich. Wenn ich nicht vernünftig plane beginne ich mich irgendwann im Kreis zu drehen, finde kein Ende und in den bisher schlimmsten Fällen, verliere den Glauben an die Geschichte.

        Liken

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